Augenentzündung "Pink eye" (Weidekeratitis)
Hinter dem hübschen Begriff «Pink Eye» verbirgt sich eine schmerzhafte Augenentzündung, die vor allem z'Alp enorme Probleme bereiten kann.
Léonie von Tael / Jutta Berger (TORO 04/26)
Das Bakterium Moraxella bovis besiedelt bei Rindern normalerweise die Nasenschleimhaut. Unter Umständen kann es jedoch eine schmerzhafte Augenentzündung verursachen: die Weidekeratitis, auch als «Pink Eye» (rosa Auge) oder infektiöse bovine Keratokonjunktivitis (IBK) bekannt.
So geht’s ins Auge
Einer krankhaften Augeninfektion gehen meist kleine Verletzungen der Hornhaut voraus. Diese entstehen beispielsweise bei Rangkämpfen und sind oft so winzig, dass sie mit blossem Auge nicht sichtbar sind. Auch UV-Strahlen reizen die Hornhaut im Auge. Die Übertragung der Bakterien erfolgt dann sehr häufig über Fliegen oder direkten Tierkontakt sowie indirekt über Hände, Kleidung oder verunreinigtes Futter. Gelangen die Bakterien auf die vorgeschädigten Stellen, vermehren sie sich dort und lösen eine Entzündung aus. Da die Infektion in der Regel lokal im Auge erfolgt, erkranken nur etwa 10 % der betroffenen Tiere auf beiden Seiten gleichzeitig.
Fliegen sind ein wichtiger Faktor
Folgende Faktoren begünstigen die Erkrankung:
- Hohe Fliegendichte
- Intensive UV-Strahlung im Hochgebirge
- Unpigmentierte, weisse Haut um die Augen und an den Lidern
- Sommer und Hitze
- Junges Alter – betroffene Tiere sind oft jünger als 5 Monate
- Enge Platzverhältnisse im Stall oder während eines Transports
- Unruhe in der Herde durch Neuzugänge
- starke Staubbelastung
Insofern liegt es auf der Hand: Gealpte Rinder, die vielen von diesen Faktoren auf einmal ausgesetzt sind, erkranken besonders häufig an Weidekeratitis. Sie werden Anfang Sommer transportiert und mit fremden Tieren zusammen auf Weiden gehalten, die oft starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind. Rangkämpfe werden ausgetragen, bei denen es auch zu Augenverletzungen kommen kann – und Fliegen fliegen überall.
Typisch: Lichtscheue und Lidkrampf
Nach einer Ansteckung treten innerhalb von Tagen bis Wochen erste Krankheitszeichen auf. Bei günstigen Bedingungen für den Erreger können auch mehrere Tiere einer Herde betroffen sein.
Typische Frühsymptome sind:
- Vermehrter Tränenfluss
- Häufiges Blinzeln
- Lidkrampf
- Lichtscheue
Zusätzlich können Fieber und ein reduzierter Allgemeinzustand auftreten. Lichtscheue Tiere meiden manchmal plötzlich helle Bereiche im Stall und möchten zum Beispiel nicht mehr in den Melkstand.
Einwachsende Blutgefässe
Erkrankungen des Auges sind immer extrem schmerzhaft. Eine Keratitis kann sich zudem dramatisch weiterentwickeln, da sich verschiedene Strukturen des Auges entzünden und eintrüben. Charakteristisch für diese Form der Augenentzündung sind Blutgefässe, die vom Rand in die Hornhaut einwachsen. Dadurch entsteht der typische rosarote Ring, der der Krankheit ihren englischen Namen «Pink Eye» gab. Häufig werden Hornhaut und Linse trüb. Das Auge erscheint zusätzlich grau. Solche Tiere sehen sehr schlecht oder erblinden vollständig, wenn beide Augen betroffen sind. Deshalb fressen sie weniger und werden in der Herde schikaniert. Besonders auf unwegsamen Alpen kann die eingeschränkte Sehfähigkeit schwerwiegende Folgen haben: Das Verletzungsrisiko und die Absturzgefahr steigen.
Raus aus der Sonne
Die wichtigste Sofortmassnahme bei Tieren mit jeglicher Augenerkrankung ist der Schutz vor Sonnenlicht. Da entzündete Augen sehr lichtempfindlich sind, sollten betroffene Tiere möglichst rasch in einem dunklen oder zumindest schattigen Stall untergebracht werden. Diese einfache Massnahme kann die Folgen deutlich lindern und trägt wesentlich zum Tierwohl bei. Auf Alpweiden ohne Stallungen bleibt eigentlich nur der vorübergehende Transport ins Tal, wo das Tier entsprechend aufgestallt und versorgt werden kann. Oft ist eine Behandlung nur dort möglich.
Augensalbe oder Antibiose
Die lokale Behandlung besteht aus antibiotischer Augensalbe, die meist über mehrere Wochen mindestens zweimal täglich angewendet werden muss. Wer mehrere Tiere gleichzeitig behandeln muss, sollte hygienisch arbeiten, Handschuhe tragen und sich zwischendurch die Hände desinfizieren, um keine Erreger zu verschleppen. Oft werden entzündungshemmende, schmerzlindernde Medikamente eingesetzt, die das Wohlbefinden und die Futteraufnahme während der Heilung unterstützen. Bei scheuen Tieren, die sich nicht am Kopf behandeln lassen, bleibt nur eine längere, systemische Antibiotikatherapie nach tierärztlicher Anweisung.
Schlimme Komplikationen vermeiden
Ohne Behandlung kann es zu schlimmen Komplikationen kommen: einer starken Eiterbildung im Auge, zum irreparablen Vorfall der Linse oder sogar zum Durchbruch der Hornhaut. Spätestens dann ist die Erkrankung ein ernsthaftes Problem – auch im Sinne des Tierschutzes … In solchen Fällen muss das Auge chirurgisch versorgt werden, indem zum Beispiel das dritte Augenlid vorübergehend über den Augapfel genäht wird (Lidschürze). Manchmal kann sogar die Entfernung des Auges notwendig sein.
Frühes Eingreifen und Immunität
Da die Spontanheilung einer Weidekeratitis kaum zu erwarten ist, sollte möglichst frühzeitig eingegriffen werden: Das verbessert die Heilungschancen und reduziert das Ansteckungsrisiko. Sobald also ein Tier durch Tränenfluss oder Lichtscheue auffällt, sollte es möglichst rasch von der Herde getrennt, eingestallt und tierärztlich untersucht werden. Dann lohnt sich der Arbeitsaufwand der Behandlung in der Regel und das Auge heilt problemlos ab. Nach überstandener Erkrankung sind die betroffenen Tiere geschützt gegen den beteiligten Erregerstamm. Zum Teil geben sie diesen Schutz via Kolostrum an ihre Kälber weiter.
Prophylaxemassnahmen
Um solchen Schwierigkeiten während der Weide- bzw. Alpsaison aus dem Weg zu gehen, gibt es neben der regelmässigen Tierkontrolle verschiedene Massnahmen zur Prophylaxe:
- ausreichend Platz im Stall
- ein gesundes Stallklima mit möglichst geringer Staubbelastung
- konsequente Fliegenbekämpfung
- die Impfung gegen Moraxella bovis
Die Impfung wird einmalig drei bis sechs Wochen vor dem Alpaufzug – also spätestens bis Mitte/Ende April verabreicht und anschliessend jährlich wiederholt. Wie bei allen Impfungen kann kein vollständiger Schutz garantiert werden, da verschiedene Stämme von Moraxella bovis vorkommen. Erfahrungsberichte aus der Praxis zeigen jedoch, dass die Impfung insbesondere in Problembeständen einen wertvollen Beitrag zur Krankheitskontrolle leisten kann. Hat man den Zeitpunkt für die Impfprophylaxe verpasst, bleibt nur die konsequente Insektenbekämpfung, z. B. durch wirksame Pouron-Präparate wie Insekt Blocker Plus – am besten in Kombination mit Kontaktinsektiziden wie Sheila – um das Fliegenaufkommen zu senken und die Herde vor der Bakterienübertragung direkt in die Augen bestmöglich zu schützen.
Fliegenbekämpfung ab Weidebeginn
Wirksame Fliegenbekämpfung ab Weidebeginn mit Insekt Blocker Plus schützt Kühe vier bis sechs Wochen vor Fliegen, Gnitzen und Bremsen auf der Weide.
Insektenbekämpfung im Frühling
Frühzeitige Insektenbekämpfung im Frühling schützt Rinder vor Leistungsrückgang und Krankheiten durch Fliegen, Mücken, Zecken und Dassellarven.
Sehvermögen der Rinder – Augen der Kühe
Rinder sehen gut bei wenig Licht, reagieren sensibel auf Kontraste und Bewegungen und haben ein weites Sichtfeld mit totem Winkel.
Biosicherheit
Biosicherheit schützt die Herde vor Krankheiten durch kontrollierten Zutritt, Hygiene, Quarantäne, Reinigung, Desinfektion und gezielte Fliegenbekämpfung.
