Home>News>
Mythen ums Abbluten
Brunstzeichen|31.12.2025

Mythen ums Abbluten

Blutspuren

Gerüchteküche: Zum Abbluten bei Kühen nach der Brunst gibt es immer wieder Missverständnisse.

Jutta Berger (TORO 07/23)

Um kein biologisches Phänomen in der Reproduktion von Kühen ranken sich so viele so widersprüchliche Mythen wie um den blutigen Schleim nach der Brunst. Welche Schlüsse kann man aus dieser Beobachtung tatsächlich ziehen?

Zum Abbluten bei Kühen nach der Brunst gibt es immer wieder Missverständnisse
Bild: Swissgenetics

Gerüchteküche

Ein Besamer muss eine Kuh nachbesamen. Der Landwirt, der nebenbei steht, sagt: «Versteh ich gar nicht, dass sie beim ersten Mal nicht gepackt hat. Sie hat zwei Tage später abgeblutet. Das ist doch an und für sich ein gutes Zeichen, oder?» «Die einen sagen so, die anderen anders», antwortet der Besamer, «ich glaube, da gibt es keine Regel».

Hmmmm…

In der Brunst steigt die Durchblutung im Geschlechtsapparat der Kuh, wenn sie stierig ist. Daher sind die Schleimhäute dort während der Brunst deutlich gerötet. Gleichzeitig werden die Blutgefässe in der Gebärmutter wegen des Brunsthormons durchlässiger. Blut kann ins Innere der Gebärmutter übertreten. Dies passiert so auch bei läufigen Hündinnen. Bei Kühen dauert es ca. ein bis drei Tage, bis das Blut nach der Hauptbrunst an der Scham der Kuh sichtbar wird. Oft ist es allerdings so wenig Blut, dass man es gar nicht wahrnimmt. Nicht damit zu verwechseln sind die monatlichen Blutungen von Frauen, die in einem völlig anderen Zyklusstadium stattfinden.

Sicheres Brunstzeichen

Eine Kuh, die abblutet, war sicher in Brunst! Es ist eines der zuverlässigsten Brunstzeichen und muss daher unbedingt im Brunstkalender notiert oder bei SmartCow eingegeben werden. Die App rechnet dann automatisch mit der nächsten voraussichtlichen Brunst einen Tag früher. In seltenen Fällen kommt es vor, dass Kühe bereits während der Hauptbrunst – also solange sie noch «stehen» – abbluten. Dann ist ihre Gebärmutter besonders stark durchblutet und durchlässig. Leider ist eine Besamung bei einer Kuh mit solch blutigem Brunstschleim wenig Erfolg versprechend. Denn er schädigt die Samenzellen und eine Befruchtung ist unwahrscheinlich. Eine Kuh, die bereits trächtig ist, zeigt dagegen nie blutigen Schleim – es sei denn, sie abortiert.

Nicht vom Eisprung!

In alten Lehrbüchern1 steht, dass das Abbluten ein sicheres Indiz dafür sei, dass die Kuh einen Eisprung hatte. Dieser Zusammenhang stimmt so nicht. Es hat mit den Vorgängen auf den Eierstöcken nicht direkt zu tun und erlaubt keine derartigen Rückschlüsse. Abblutende Kühe können im ungünstigen Fall genauso Zysten bekommen. Das Blut stammt immer aus der Gebärmutter.

Erfolgschancen?

Werden Kühe, die man abbluten sieht, nun besser oder schlechter trächtig? Leider ist diese Frage von der Wissenschaft überhaupt nicht untersucht. Auch eine intensive Recherche kam zu keinem Ergebnis. Lediglich zwei «exotische» Arbeiten stellten fest, wie häufig Kühe überhaupt abbluten: Eine Arbeitsgruppe aus Indien2 fand heraus, dass 13.7 % (51) von 371 brünstigen Holstein-Kreuzungen abbluteten. Eine Studie aus Griechenland3 fand Ähnliches: Auch hier sind es ca. 10 % Kühe und rund 20 % der Rinder, die nach der Brunst abbluteten. Ein Bezug zu einem Befruchtungserfolg untersuchte keine der beiden Studien. Man kann also anhand dieser Literatur keine seriöse Prognose abgeben, ob eine abblutende Kuh besser oder schlechter trächtig wird.


1 G. Rosenberger (1964): Die klinische Untersuchung des Rindes, Verlag Paul Parey
2 M Honparkhe et.al. (2009): Progesterone profile and fertility in relation to metoestrus bleeding in crossbred dairy cows, Indian Vet Journal
3 I. Margaritis (1990): Metoestrual bleeding and silent oestrus in cows and heifers, Bulletin of the Hellenic Vet Med Society