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Hohe Zellzahlen im Sommer
Eutergesundheit|23.06.2026

Hohe Zellzahlen im Sommer

Im Sommer kämpfen viele Betriebe mit hohen Zellgehalten in der Tankmilch und gehäuften schweren Mastitiden bei Einzeltieren.

Jutta Berger (TORO 05/16)

Die Milch wird beanstandet, die Milchmenge geht retour: Ein hoher Zellgehalt kostet immer Geld. Sind vermehrt Zellen in der Milch, gehören diese ursprünglich zum körpereigenen Abwehrsystem aus dem Blut. Sie sind in die Milch übergetreten und sollen dort eine Infektion mit Krankheitserregern oder reizende, giftige Substanzen eliminieren. Deshalb kann es auch hohe Zellzahlen geben, ohne dass Keime beteiligt sind.

Zitzen-Dippen ist speziell im Sommer ein gutes Mittel die Zellzahlen im Griff zu behalten: Es reduziert die krankmachenden Keime und hält Fliegen von den Zitzen fern.
Bild: www.zweiaufreisen.com

Stress schwächt die Abwehr

Erkrankungen des Euters werden aber meist von unterschiedlichen Faktoren hervorgerufen. Insbesondere reduziert Stress jeglicher Art die körpereigene Abwehr, und Euterentzündungen gehen schneller an. Sommerliche Verhältnisse stressen die Kühe in verschiedenen Punkten, sodass sich Eutererkrankungen zu dieser Jahreszeit häufen können. Durch ihre höhere Stoffwechselleistung und den grösseren Energiebedarf sind vor allem hochleistende und frischlaktierende Tiere vom Hitzestress und nachfolgend von Zellgehaltserhöhung betroffen.

Zustand der Liegeflächen

Um Zellzahlprobleme zu vermeiden, ist Hygiene im Stall und auch im Futterlager bei warmer Witterung entscheidend. Die meisten Krankheitskeime, vor allem aber die Erreger akuter, schwerer Euterentzündungen (z.B. Coli-Bakterien) finden in feuchtwarmer Umgebung optimale Vermehrungsbedingungen. Untersuchungen haben die Zusammenhänge gezeigt: Feuchte, warme Einstreu führt zu einer hohen Bakterienbelastung in der Liegebox. Je mehr Bakterien in der Einstreu sind, umso mehr Bakterien sitzen dann an den Zitzenspitzen der Kühe und umso häufiger sind akute Euterentzündungen. Es ist daher bei warmen Stalltemperaturen besonders entscheidend, dass die Liegeflächen trocken und sauber sind. Kohlesaurer Kalk kann dabei helfen, den Keimdruck zu reduzieren. Im Anbindestall, wenn die Liegefläche gleichzeitig auch Melkfläche ist, sollte unbedingt in ein Gefäss vorgemolken werden, um einen Milchsee auf dem Boden zu vermeiden, der den Bakterien ebenfalls als Brutstätte dient.

Fliegen sind Krankheitsüberträger

Die Rolle von Fliegen als Überträger von euterschädigenden Keimen darf nicht unterschätzt werden. Eine gezielte Fliegenbekämpfung ist hinsichtlich der Eutergesundheit sinnvoll, denn ein starker Fliegenbefall im Melkbereich ist immer ein Risikofaktor: Die kleinen Milchtropfen, die nach der Abnahme des Melkzeugs an den Zitzenspitzen zurückbleiben, locken Fliegen zu einem Zeitpunkt an, zu dem der Verschlussmechanismus der Zitze durch den vorausgegangenen Milchentzug ausser Kraft gesetzt ist. Setzen sich die Fliegen jetzt an die Zitzenkuppe, kann sich das Euter nicht selbst gegen das Eindringen von Keimen schützen. Durch den Einsatz von Desinfektionslösung, z.B. durch das sog. «Dippen» oder «Zitzentauchen» können Fliegen am Niedersitzen gehindert werden. Dippen (z.B. mit Desintect® Produkten) sofort nach der Melkzeugabnahme macht also speziell im Sommer Sinn.

Futterqualität entscheidet über Zellgehalt

Müssen Kühe verunreinigte oder verdorbene Futtermittel fressen, werden sie (euter)krankheitsanfällig – denn die Gifte belasten ihre Leber. Das Risiko einer schlechten Kraftfutterqualität ist im (Früh-)Sommer besonders hoch: Das Futter stammt noch aus der Ernte des Vorjahrs, wird schon lange gelagert und die Wärme fördert den Verderbnisprozess. Frischlaktierende und hochleistende Kühe sind auch in diesem Fall Hauptleidtragende, da sie das meiste Kraftfutter erhalten. Kraftfutter muss daher im Sommer besonders kritisch geprüft werden und darf bei schlechter Qualität nicht verfüttert werden! Eine weitere Gefahrenquelle für schlechte Futterqualität im Sommer stellt die immer häufiger werdende Ganzjahressilage-Fütterung dar. Um im Sommer gute Qualität verfüttern zu können, darf der Silostock auf keinen Fall zu gross sein. Es muss unbedingt ein ausreichender Vorschub bei der Silageentnahme erreicht werden. Im Sommer sind dies in einem Fahrsilo mindestens zwei Meter pro Woche, damit das erhöhte Risiko einer Nacherwärmung minimiert wird.