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Besamungstaugliche Kühe
Besamungstauglichkeit|30.03.2026

Besamungstaugliche Kühe

Nur besamungstaugliche Kühe sollten auch wirklich zugelassen werden.

Jutta Berger (TORO 03/19)

Nicht jede brünstige Kuh sollte auch besamt werden. Ihre Geschlechtsorgane müssen gesund sein und ihr Stoffwechsel stabil. Generell werden die Kühe, die zur Besamung angemeldet sind, in drei Kategorien eingestuft:

  • Die meisten Kühe sind voll besamungstauglich und werden nach Wunsch ihres Besitzers zugelassen.
  • Manche Problemkühe sind nur bedingt besamungstauglich. Eine erfolgreiche Besamung ist zweifelhaft, daher wird der Einsatz wertvoller Dosen, z. B. seleXYon, nicht empfohlen.
  • Selten sind Kühe nicht besamungstauglich. Eine erfolgreiche Besamung ist ausgeschlossen.
Eine deutliche Brunst ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Besamung – aber nicht die einzige.
Bild: Swissgenetics / jbg

Die Vorgeschichte erzählen

Obwohl die Kalbung bereits eine Weile zurück liegt, sind Informationen zu deren Verlauf und dem Start in die Laktation für die Besamerin / den Besamer wichtig. Die Vorgeschichte der Kuh hilft, aktuelle Beobachtungen und die Beschaffenheit der Organe richtig zu interpretieren. Die Besamungstauglichkeit wird nach einer Schwergeburt oder kompliziertem Laktationsbeginn anders beurteilt als bei unproblematischer Vorgeschichte. Die meisten Kühe sind schon innerhalb der ersten vier Wochen zum ersten Mal wieder stierig. Dass das Brunstgeschehen schon so bald wieder anläuft, versäubert die Gebärmutter: Ihre Muskulatur zieht sich zusammen und der Muttermund öffnet sich währenddessen. Die Gebärmutter kann Eihaut-Reste oder Entzündungsprodukte herausdrücken. Der Brunstschleim desinfiziert ihr Inneres. So regeneriert die Gebärmutter mit jeder Brunst. Diese Rückbildung dauert bei gesunden Kühen im Schnitt sechs Wochen. Bei Kühen mit gestörtem «Wochenbett» (z. B. mit Nachgeburtsverhalten, Milchfieber o. ä.) oder bei hohen Einsatzleistungen braucht sie länger. Trotz oft deutlicher Brunstzeichen können sie jetzt noch nicht aufnehmen. Faustregel: Nach einer Rastzeit von ca. 50 Tagen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die erste Besamung gleich zu einer Trächtigkeit führt.

Praxis-Tipp

Sagen Sie Ihrer Besamerin / Ihrem Besamer unbedingt, wenn Ihre Kuh eine Schwergeburt oder eine gestörte Nachgeburtsphase hatte und ob sie seither schon einmal brünstig war.

Die Brunst beobachten

Kühe, deren Duldungsreflex (nicht die ersten Brunstsymptome) morgens zum ersten Mal beobachtet wird, sollten nachmittags besamt werden. Tiere, die später am Vormittag oder im Laufe des Tages «stehen», erst am nächsten Morgen. Allerdings «stehen» viele Kühe nur noch kurz oder mit längeren Pausen und immer öfter nachts. Daher ist eine erste Brunstkontrolle noch vor Beginn der Stallarbeiten morgens und zu den Ruhezeiten untertags sinnvoll. Beschränkt sich die Brunstbeobachtung auf die Melkzeiten, verpasst man Kühe mit schwachen Brunstsymptomen. Untersuchungen zeigen: Je deutlicher die Brunst, umso eher nimmt die Kuh auf. Blut im Brunstschleim ist dagegen ein Ausschlusskriterium für eine Besamung. Denn Blut tötet die Spermien ab. Ihre regelmässige Brunstbeobachtung bietet der Besamerin / dem Besamer wichtige Informationen, die in die Beurteilung der Besamungstauglichkeit einfliessen. Notieren Sie die Beobachtungen in einem Brunstkalender oder auf SmartCow 4.0, haben Sie auf einfache Art und Weise eine gute Übersicht.

Praxis-Tipp

Teilen Sie Ihrer Besamerin / Ihrem Besamer beobachtete Brunstsymptome und den zeitlichen Ablauf mit.

Die Kondition beurteilen

Nur stoffwechselstabile Kühe können den Embryo austragen. Ist die Kuh dagegen krank, geschwächt oder gestresst, verhindert ihr Organismus mit einem hormonell regulierten Selbstschutzmechanismus, dass sich unter den schlechten Bedingungen eine neue Trächtigkeit einnisten kann. Dies gilt insbesondere für lahme, klauenkranke Tiere. Die Stoffwechsellage der Kuh beeinflusst die Qualität ihrer Eizellen, deren Ausreifung während der Brunst, die Entwicklungskompetenz des Embryos nach der Befruchtung und seine Ernährung durch die Gebärmutter der Kuh in der frühen Trächtigkeit. Ein Energiemangel beeinträchtigt all diese Punkte und dies nicht nur während der aktuellen Brunst, sondern bereits längere Zeit vorher. Oberste Priorität für ein gutes Besamungsergebnis hat daher die leistungsangepasste, wiederkäuergerechte Fütterung zum Start in die Laktation – besonders bei hochleisten den Kühen. Da sich ein anhaltender Energiemangel in der Körperkondition der Kuh widerspiegelt, ist diese ein guter Anhaltspunkt für oder gegen die Besamungstauglichkeit: Magere Kühe sollten noch nicht wieder besamt werden. Warten Sie, bis sich der Stoffwechsel der Kühe stabilisiert und sie an Körperkondition zulegen.

Praxis-Tipp

Vertrauen Sie dem Auge Ihrer Besamerin / Ihres Besamers! Ihr geschulter Blick erkennt, ob die  Körperkondition Ihrer Kuh für eine Besamung reicht oder nicht.

Die Gebärmutter abtasten

Rauchiger oder eitriger Brunstschleim deutet auf eine Entzündung der Gebärmutter hin. Doch auch bei klarem Brunstschleim lässt sich «von aussen» nicht abschätzen, ob der Erholungsprozess der Gebärmutter abgeschlossen ist. Das Touchieren der Gebärmutter zeigt, ob die Kuh bereits wieder besamungstauglich ist. Eine Kuh mit unnormal grosser, deutlich asymmetrischer oder mit Flüssigkeit gefüllter Gebärmutter sollte nicht besamt werden, egal wie lange die Abkalbung zurück liegt.

Praxis-Tipp

Mit einer Voruntersuchung kann Ihre Besamerin / Ihr Besamer feststellen, wie gut die Gebärmutter  zurückgebildet ist. Sagen Sie unbedingt vor dem Auftauen des Samens Bescheid, wenn sie trüben  Brunstschleim beobachteten oder wenn die Kuh eine Spirale hatte.

Die Senkscheide abklären

Kühe mit Senkscheiden sind Problemtiere. Oft haben sie sichtbar ein gestelltes Becken oder eine eingefallene Aftergrube. Je nachdem wie stark die Senkscheide ist, läuft der Urin beim Harnabsetzen in der Scheide nach vorne in Richtung Muttermund. In schweren Fällen kann der Urin in die Gebärmutter eindringen. Wie stark die Störung ist, lässt sich durch die Untersuchung der Kuh mit einem Spekulum abschätzen. Überdeckt der Urinsee den äusseren Muttermund, ist es praktisch aussichtslos, diese Kuh noch einmal trächtig zu bekommen. In leichteren Fällen kann der Besamungserfolg durch den Einsatz einer speziellen Überzugshülle über dem Besamungsgerät deutlich verbessert werden.

Praxis-Tipp

Weisen Sie Ihre Besamerin / Ihren Besamer bereits am Auto darauf hin, wenn Ihre Kuh eine eingefallene  Aftergrube hat und eine Senkscheide haben könnte, oder wenn sie beim Aufstehen Luft in die Scheide  einsaugt. So kann mit einer sanitarischen Überzugshülle besamt oder vorab eine vaginale Untersuchung  durchgeführt werden.

Besprechen Sie Zweifelsfälle bereits am Auto Ihres/r BesamerIn –dann können Problemtiere entsprechend voruntersucht werden.
Bild: Swissgenetics

Nicht jede brünstige Kuh eignet sich zum Besamen

Bild: Swissgenetics