Biosicherheit bei der Besamung stärken
Rücken Tierseuchen näher, wird Biosicherheit bei der Besamung wichtiger
Jutta Berger, Sibylle Mellema (TORO 03/26)
Im vergangenen Jahr kam es im benachbarten Ausland wiederholt zu Ausbrüchen hochansteckender Infektionen wie der Lumpy Skin Disease (LSD), der Afrikanischen Schweinepest (ASP) oder der Maul- und Klauenseuche (MKS). Die Gefahr von Tierseuchen kommt also näher – und mit ihr wächst der Handlungsbedarf für die landwirtschaftlichen Betriebe in der Schweiz. Während in Schweine- und Geflügelbetrieben Zutrittsbeschränkungen, Quarantänemassnahmen und strikte Hygienevorschriften Standard sind, fehlen solche Massnahmen auf vielen Rinderbetrieben oder werden weniger konsequent angewendet. Swissgenetics beschäftigt sich seit langem intensiv mit dieser Thematik. So gelten in den Stierenställen seit Jahrzehnten hohe Biosicherheitsstandards in Form von strikten Vorschriften wie Zutrittsbeschränkungen und Quarantänemassnahmen.
Experten und externe Unterstützung
Die Biosicherheit bei der Besamung ist für Swissgenetics ebenfalls ein wichtiges Thema. Eine entsprechende Arbeitsgruppe beschäftigt sich unter der Leitung von Torleif Röcke gezielt mit der Vorbereitung möglicher Seuchenszenarien. Bei speziellen Fragestellungen erhält diese interne Expertengruppe Unterstützung durch die international tätige Beratungsfirma SAFOSO aus Bern-Liebefeld, die auf die Vorbeugung und Bekämpfung von Tierseuchen spezialisiert ist. Diese erarbeitete unter anderem ein Konzept zur Risikobewertung sowie ein Worst-Case-Szenario für den Fall, dass sich eine der Swissgenetics-Stationen in einer amtlichen Schutz- oder Überwachungszone befindet.
Stresstest im Frühjahr
Für Swissgenetics ist ein weiterer existenziell wichtiger Gesichtspunkt: Unter welchen Seuchenbedingungen dürften überhaupt noch Betriebe zum Besamen angefahren werden? Da mit der warmen Jahreszeit das Risiko steigen wird, dass Insekten Krankheitserreger übertragen, war das Frühjahr 2026 ein geeigneter Zeitpunkt, sich vertieft mit Biosicherheitsmassnahmen in diesem Zusammenhang auseinanderzusetzen. In Zusammenarbeit mit SAFOSO wurde deshalb ein umfassender Stresstest durchgeführt. Dabei wurde ein realistisches Szenario angenommen, in dem ein Verdachtsfall von LSD auf einem Schweizer Milchviehbetrieb auftritt. In der Simulation wurde unter Zeitdruck geübt, rasch Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig die interne sowie externe Kommunikation aufrechtzuerhalten. Im Zentrum standen Fragen wie: Wie werden die Behörden eingebunden? Wer informiert Kunden und Medien? Und wie lassen sich Kontakte des Besamungsdienstes nachvollziehen, ohne die betrieblichen Abläufe zu unterbrechen? Ziel der Übung war es, die Krisenbereitschaft von Swissgenetics zu stärken, Entscheidungsprozesse zu testen sowie Verantwortlichkeiten zu definieren und Verbesserungspotenzial zu erkennen. Die Auswertung zeigte, dass viele Abläufe bereits gut funktionieren, gleichzeitig aber einzelne Optimierungsmöglichkeiten bestehen – wichtige Erkenntnisse für eine bestmögliche Vorbereitung auf den Ernstfall.
Gezielte Weiterbildung
Ein weiterer zentraler Baustein ist die gezielte Weiterbildung des Besamungsdienstes. Ziel ist es, das Bewusstsein für Risiken weiter zu schärfen und praxisnahe Verhaltensmassnahmen zu vermitteln. Hierfür wurden im vergangenen Winter fünf E-Learning-Sequenzen entwickelt, die sich mit den wichtigsten Tierkrankheiten, ihren Übertragungswegen sowie geeigneten Schutzmassnahmen befassen. Ergänzend dazu fanden im März und April 2026 Weiterbildungstage in Zusammenarbeit mit SAFOSO statt, bei denen das Thema Biosicherheit für alle Besamungstechnikerinnen und Besamungstechniker vertieft behandelt wurde. Im Mittelpunkt standen dabei die konsequente Umsetzung von Alltagshygiene und der Umgang mit speziellem Schutzmaterial.
Mithilfe der Kunden
Die internen Vorbereitungen und Trainings zeigen, dass eine erfolgreiche Seuchenprävention nur gelingen kann, wenn alle Beteiligten entlang der gesamten Prozesskette zusammenwirken. Deshalb rückt auch die unterstützende Mithilfe der Kundenbetriebe zunehmend in den Fokus. Bereits einfache Massnahmen für eine gute Hygiene im Kuhstall können viel beitragen – vor allem die Möglichkeit zur Reinigung von Händen, Stiefeln und Ausrüstung des Besamungsdiensts: Warmes Wasser, Seife und ein sauberes Handtuch sind hierfür grundlegende Voraussetzungen. Denn im Arbeitsalltag der Besamer lassen sich Verschmutzungen nicht vollständig vermeiden. Umso wichtiger ist es, dass vor dem Verlassen eines Betriebs alles gründlich gewaschen werden kann. In vielen Betrieben stehen dafür bereits gute Einrichtungen zur Verfügung – etwa Wasserschläuche mit ausreichend Druck sowie Lavabos mit Warmwasser und Seife. So kann verhindert werden, dass Krankheitserreger von einem Betrieb zum nächsten verschleppt werden.
Amtliche Anordnungen
Es liegt auf der Hand: Im Falle eines tatsächlichen Seuchenausbruchs kämen zusätzliche, amtlich angeordnete Massnahmen zum Tragen. Betriebe in einer amtlichen Schutzzone könnten unter Umständen gar nicht mehr für Besamungen erreicht werden. In der Überwachungszone hingegen müsste die Biosicherheit verschärft werden. Die Tour des einzelnen Besamers würde so geplant, dass diese Betriebe jeweils erst am Schluss angefahren werden. Bei Betrieben mit entsprechenden seuchenrechtlichen Auflagen wäre der Besuch des Besamungsdienstes zudem so vorzubereiten, dass der Besamer oder die Besamerin möglichst direkt vom Auto zur Kuh und wieder zurückgelangen kann, ohne mit weiteren Personen oder Bereichen des Betriebs in Berührung zu kommen. Ziel ist es, unnötige Kontakte und Wege zu vermeiden und so das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern zu minimieren. Dabei würde zum einen eine telefonische Anmeldung mit allen relevanten Informationen (welche Kuh soll mit welchem Stier besamt werden) helfen, zum anderen die Bereitstellung des Stallordners sowie ein Abfallkübel ausserhalb des Stalls unnötige Wege vermeiden. Gegebenenfalls müsste der Besamungsdienst auf vielen Betrieben bei einem Seuchenfall weiter entfernt von der Stalltür und vom Miststock parkieren als bisher, damit ein notwendiger Sicherheitsabstand eingehalten werden kann. Weitere Massnahmen können betriebseigene Stiefel oder Desinfektionsmöglichkeiten sein. Bei Krankheiten wie LSD, Blauzungenkrankheit oder EHD, welche über stechende Fliegen, Mücken und Gnitzen übertragen werden, spielt auch die gezielte Insektenbekämpfung eine wichtige Rolle.
Biosicherheit bei der Besamung möglich machen
Damit der Besamungsdienst hygienisch und sicher arbeiten kann, sollten auf jedem Betrieb geeignete Reinigungsmöglichkeiten vorhanden sein. Auch kleine Lücken können grosse Auswirkungen haben.
Das ist wichtig:
- Stellen Sie fliessendes Wasser zur Verfügung, idealerweise mit ausreichend Druck
- Sorgen Sie für Warmwasser zum Händewaschen, wenn möglich
- Halten Sie Seife und saubere (Papier-)Handtücher bereit
- Prüfen Sie regelmässig, ob alle Hygienemittel vorhanden und sauber sind
Der Besamungsdienst besucht täglich mehrere Betriebe und trägt deshalb eine hohe Verantwortung, um keine Keime zu verschleppen. Saubere Hände, Stiefel und Kleidung sind dafür unerlässlich. Gleichzeitig ist jeder Betrieb darauf angewiesen, dass zuvor besuchte Ställe ebenfalls hygienisch verlassen wurden. Gute Hygienebedingungen sind deshalb nicht nur ein Beitrag zum eigenen Betriebsschutz, sondern auch ein Zeichen der Solidarität innerhalb der Landwirtschaft.
Biosicherheit beim Besamen
Hygienische Reinigung von Händen, Stiefeln und Kleidung ist für den Besamungsdienst essenziell, um die Biosicherheit in mehreren Ställen zu gewährleisten.
Biosicherheit
Biosicherheit schützt die Herde vor Krankheiten durch kontrollierten Zutritt, Hygiene, Quarantäne, Reinigung, Desinfektion und gezielte Fliegenbekämpfung.
Checkliste – Reinigung und Desinfektion des Stalls
Effiziente Reinigung und Desinfektion: Lade unsere praktische Checkliste herunter und sorge für hygienische Sauberkeit.
Samenübertragung
Die tierschonende und profesionelle Samenübertragung: So arbeitet man sicher und hygienisch für einen guten Besamungserfolg.
