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Melkarbeit und Melktechnik
Eutergesundheit|27.04.2026

Melkarbeit und Melktechnik

Wie melkt die Schweiz? Eine Studie zeigt Defizite in Melkarbeit und Technik.

Dr. Léonie von Tavel (TORO 09/14)

Korrekte Melkarbeit und eine funktionierende Melktechnik beugen Eutererkrankungen vor. Eine Studie* der Vetsuisse Fakultät der Universität Bern sollte zeigen, ob diese banale Erkenntnis auch in der Praxis umgesetzt ist. In den Jahren 2011–2012 wurden dazu 100 Schweizer Betriebe untersucht. Keine offensichtlichen Problembetriebe, aber solche mit einer erhöhten theoretischen Tankzellzahl (zwischen 200’000 und 300’000 Zellen/ml im Jahr 2010). Daten zu Betriebsstruktur, Haltung, Melktechnik, Melkarbeit, Trockensteh- und Mastitismanagement wurden erfragt und zusätzlich Viertelgemelks-Milchproben von Kühen mit einer Zellzahl > 150’000/ml bakteriologisch analysiert. Es konnte aufgezeigt werden, dass in allen Bereichen, die die Eutergesundheit massgeblich beeinflussen, Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Insbesondere die persönliche Melkarbeit und die Melktechnik bieten hier schnell umsetzbare Lösungen.

Handschuhe und Einwegmaterial zur Zitzenreinigung verbessernMelkhygiene und Eutergesundheit.
Bild: Swissgenetics

Hände sauber?

Eigentlich simpel: Wer beim Melken sauber ist, vermindert den Keimdruck und damit das Risiko, Mastitiskeime zu übertragen. Dennoch zogen sich viele Melker (auf ca. 40 % der Betriebe in der o.g. Studie) vor dem Melken nicht um oder wuschen sich nicht einmal die Hände (71 %).

Persönliche Hygiene: Was lässt sich optimieren?

  • Vor Melkbeginn Hände waschen
  • Einweghandschuhe vermindern die Keimübertragung mit den Händen
  • Tragen Sie spezielle Melkkleidung. Eine abwaschbare Schürze lässt sich nach jedem Melken leicht säubern

Melkreihenfolge nach Zellgehalt

Meist werden Kühe mit «lediglich» erhöhtem Zellgehalt wie eutergesunde Tiere behandelt. Eigentlich sind ihre Euter jedoch krank, sie haben eine «subklinische Mastitis», an der verschiedene Bakterien beteiligt sein können. Daher gehören sie ans Ende der Melkreihenfolge oder mit einem separaten Melkgeschirr gemolken, um ansteckende Keime nicht zu verschleppen. Nur wenige Betriebe (13 %) der Studie handhabten dies so. Offensichtlich euterkranke Tiere dagegen wurden richtigerweise bei 81 % der untersuchten Betriebe zum Schluss oder mit einem separaten Melkzeug gemolken. Speziell in Laufstallbetrieben mit Melkstand ist diese strikte Reihenfolge in der Praxis nur mit Aufwand umsetzbar. Die Verhinderung der Übertragung kann über ein separates Melkzeug für Zellgehalts- und euterkranke Kühe oder eine Zwischenreinigung bzw. -Desinfektion nach dem Melken von diesen Tieren gewährleistet werden.

Melkreihenfolge: Was lässt sich optimieren?

Die beste Reihenfolge beim Melken ist:

  • gekalbte Rinder
  • frischabgekalbte,
  • hochleistende,
  • mittelleistende,
  • niedrigleistende Kühe
  • Tiere mit hoher Zellzahl
  • (euter)kranke/behandelte Tiere

(Die Milch der Gruppen 6 und 7 ist nicht verkehrstauglich)

Arbeitsschritte

Für eine gute Eutergesundheit sind die richtige Reihenfolge und die präzise Ausführung aller Handgriffe beim Melken wichtig. Hygiene ist dabei wieder oberstes Gebot. Sie beginnt bereits beim Vormelken. Wird auf den Boden vorgemolken (wie bei 56 % der Betriebe in der o.g. Studie) und werden dabei sogar die Beine der Tiere mit Milch angespritzt, finden krankmachende Keime beste Bedingungen. Melkt man in die Hände vor (3 %), verschleppt man sie zwangsweise von einer Kuh zur anderen. Nach dem Vormelken von mindestens drei Milchstrahlen ist die Milch, die sich seit dem letzten Melken in der Zitze gesammelt hat, entfernt. Diese enthält auch bei gesunden Kühen oft Bakterien. Melkt man weniger (77 %) oder gar nicht vor (21 %), landen diese Keime im Tank oder werden ins Euter hinauf massiert. Nach dem Vormelken
sollten verschmutzte Zitzen aus Hygienegründen so gründlich gereinigt werden, dass sie auch wirklich sauber sind. Die Studie zeigte, dass dies nur bei ca. der Hälfte der Zitzen wirklich der Fall war. Um wiederum eine Keimübertragung zu verhindern, sollte das Reinigungsmaterial von Kuh zu Kuh gewechselt werden. So verfuhren ebenfalls nur ca. 50 % der untersuchten Betriebe. Neben der Sauberkeit sind ein optimaler Milchfluss ohne Vakuumschwankungen und Turbulenzen in Milchschlauch bzw. -leitung und das Vermeiden von Blindmelken wichtig. Kommen die Kühe freiwillig in den Melkstand, stehen sie ruhig und koten während des Melkens kaum, ist das ein gutes Zeichen dafür, dass das Melken stressfrei abläuft.

Die Melktechnik funktioniert?

Auf den untersuchten Betrieben erfüllten im Schnitt ca. 20 % der Melkanlagen die Anforderungen nicht, um die Euter der Kühe dauerhaft gesund erhalten zu können. Überprüft wurden die

  • Kapazität der Vakuumpumpe
  • Sachgemässe Montage des Regelventils
  • Abflusskapazität der Milchleitung (10-l-Wassertest)
  • Kompensation des Vakuums bei vollem Öffnen einer Melkeinheit
  • Wechsel der Milchfilter nach jedem Melken
  • Reinigung der Melkanlage
  • Zustand der Zitzengummis

Die eigentliche Melkarbeit: Was lässt sich optimieren?

Beim Vormelken• Mehr als 3 Milchstrahlen vormelken
• In einen Vormelkbecher mit schwarzer Oberfläche melken
• Kontrolle des Milchsekrets im Vormelkbecher
Bei der Euterreinigung• Bei starker Verschmutzung: trocken reinigen
• Reinigungsmaterial nicht für Zitzenreinigung weiterverwenden
• Sind Euter oft verschmutzt, nach den Ursachen suchen: Gestaltung Liegeboxen/Läger, Entmistung, Fütterung (dünner Mist?)
Bei der Zitzenreinigung• Einwegmaterial (Eutertücher, Papier, Holzwolle o.ä.)
• Für jede Kuh frisches Reinigungsmaterial verwenden
Beim Ansetzen des Melkgeschirrs• Auf den Milcheinschuss warten (ca. 60–90 Sekunden nach Vormelken/Reinigung)
• Zitzenbecher ohne Lufteinbruch ansetzen
Beim Melken• Frei- und senkrechthängende Melkzeuge
• Nicht verdrehte Puls- und Milchschläuche
• Blindmelken auch auf einzelnen Vierteln unbedingt vermeiden
• Ruhig arbeiten

Faustregel: In den ersten 5 Minuten des Melkens sollten 10 Liter Milch fliessen, keine Kuh sollte mehr als insgesamt ca.10 Minuten an der Maschine stehen
Beim Ausmelken• Meist ist manuelles Ausmelken unnötig, wenn die Melktechnik stimmt
• Ansonsten: Das Melkzeug leicht nach unten drücken

Faustregel: Maximal ein halber Liter Milch verbleibt im Euter (ca. 1dl pro Viertel)
Beim Abhängen• Das Vakuum wird abgeschaltet, so dass sich das Aggregat von selbst löst
• Milch tropft nicht mehr von den Zitzen. Sie sind nach dem Melken trocken
Beim Zitzentauchen bzw. -sprayen• Direkt nach Abnahme des Melkzeugs «dippen» oder sprayen
• Gesamte Zitze desinfizieren (kein «Sprühschatten»)
• Zitzentauchbecher ohne Rücklauf verwenden
• Die Tauchbecher nach jedem Melken leeren, reinigen und neu befüllen