Zitzen-Erkrankungen – eine Übersicht
Die wichtigsten Erkrankungen der Zitzen.
Jutta Berger (TORO 03/26)
Veränderungen an den Zitzen sind oft schmerzhaft und beeinträchtigen das Melken. Meist lassen sich erkrankte Stellen schlecht reinigen. Dadurch steigt das Infektionsrisiko für das gesamte Euter.
Hyperkeratosen
Verhornte Fransen an der Zitzenspitze. Begünstigend sind lange, spitze Striche, die das Zitzengummi nur schlecht massiert. Ein schief hängendes Melkzeug führt zur Belastung einzelner Zitzen und einseitigen Hyperkeratosen. Je stärker die Verhornung, desto schlechter der Verschluss und umso höher die Keimbesiedlung im Strichkanal. Deshalb: Ursachen abstellen und fransige Zitzen sorgfältig dippen.
Raue, rissige Zitzenhaut
Ausgetrocknete Haut entsteht durch Feuchtigkeit (z. B. nasse Einstreu), starke Kälte oder ungeeignete Dippmittel. Frisch abgekalbte Kühe mit starkem Fluss neigen ebenfalls zu Rissen an den Zitzen. Massnahmen: hautpflegende Dippmittel verwenden. Zitzenhaut nach dem Melken zusätzlich eincremen.
Strichverletzungen
Schon kleine Risse begünstigen die Keimbesiedlung der Haut und sind beim Melken schmerzhaft. Insbesondere, wenn das gesamte Zitzengewebe zusätzlich gequetscht wurde, kann eine Schwellung den Milchabfluss stark beeinträchtigen. Achtung beim Einsatz von Röhrchen, mit denen Milch aus solchen Eutervierteln abgelassen werden soll. Oft schaden diese mehr als sie nützen – durch die Röhrchen können Keime erst recht ins Euter eindringen und das Einführen reizt das Gewebe des Strichkanals mechanisch. Vor dem Einsatz solcher Hilfsmittel braucht es tierärztliche Unterweisung. Klaffende oder tiefe Verletzungen mit austretender Milch haben die besten Heilungschancen bei chirurgischer Versorgung. Betriebe mit häufigen Strichverletzungen sollten dringend die Aufstallung überprüfen – die Kühe treten sich gegenseitig oder selbst auf die Zitzen.
Warzen
Papillome treten vor allem bei Jungtieren auf, werden durch Viren verursacht und fallen meist selbstständig ab. Problematisch sind sie, wenn sie beim ersten Abkalben noch vorhanden sind und das Melken behindern. Dann können (gestielte) Warzen chirurgisch entfernt werden.
Zitzenherpes
Kleine Bläschen auf der Haut, ansteckende Virusinfektion (BHV2), Übertragung über das Melkzeug oder die Hände. Heilt meist von selbst ab, ist aber oft schmerzhaft und kann zum Schlagen führen.
Zitzennekrosen
Grossflächige Schädigungen von Haut und Gewebe durch physikalische, chemische oder infektiöse Einflüsse. Häufige Ursache ist starker Sonnenbrand. Manche Pflanzen (z. B. Johanniskraut) oder Medikamente erhöhen die Sensibilität von unpigmentierter Haut gegenüber UV-Strahlen. Ein Sonnenbrand wird dadurch schlimmer. Auch Allergien auf Dippmittel, belastetes Einstreumaterial oder Viruserkrankungen (z. B. BTV) können tiefe Haut- und Gewebeschäden der Zitzen verursachen. Schonend säubern und evtl. durch einen Schutzverband abdecken. Betroffene Viertel am besten trocken stellen und erst nach Abheilen wieder melken.
Zitzenödem
Schwellung durch Flüssigkeitseinlagerung, häufig bei frisch gekalbten (Erstmelk-)Kühen. Bei einem starken Fluss schnürt das Melkzeug die Zitze ab und beeinträchtigt die Durchblutung des Gewebes. Oft sind die Zitzen nach dem Melken blau angelaufen. Kühlende, durchblutungsfördernde Euterpflege (z. B. NJP Liniment®) lindert die Gewebespannung und macht das Euter weich.
Insektenstiche/-bisse
Hautverletzungen durch blutsaugende Insekten. Insbesondere Gnitzen beissen für ihre Blutmahlzeit gerne in die unbehaarte Haut des Euters. Bei allergischer Reaktion kann es zu Quaddeln kommen. Manche Insekten übertragen krankmachende Keime von Euter zu Euter. Insektenschutz ist deshalb auch Euterschutz.
Astloch
Kleine, angeborene Nebenöffnung des Zitzenkanals. Problematisch ist, wenn aus der Öffnung Milch tropft – denn wo Milch austritt, können auch Keime hinein. Solche Zitzen erfordern daher eine besonders sorgfältige Melkhygiene. Manchmal saugt das Vakuum beim Melken sogar Gewebe aus dem Inneren der Zitze durch das Loch nach aussen. Eventuell ist ein chirurgischer Verschluss möglich. Eine erbliche Komponente wird vermutet.
Zitzen liefern Feedback zur Melkarbeit
Der Zustand der Zitzen zeigt die Qualität der Melkarbeit, weist auf Fehler an der Melkanlage hin und hilft, Mastitis sowie Langzeitschäden zu vermeiden und Eutergesundheit zu sichern.
Kuhsignal – Zitzenherpes
Zitzenherpes bei Kühen zeigt sich durch kleine Bläschen an den Zitzen, meist viral bedingt. Hygiene, Handschuhe und Desinfektion verhindern Ansteckungen.
Kuhsignal – Astloch in der Zitze
Ein Astloch in der Zitze ist eine meist angeborene Seitenöffnung mit Milchaustritt, erhöht das Mastitisrisiko und erfordert konsequente Melkhygiene.
Kuhsignal – Ringwulst an den Zitzen
Ein Ringwulst an der Zitze entsteht durch falsche Melkarbeit, zu grosse Zitzengummis oder nasse Zitzen: Melkanlage überprüfen lassen!
