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Zitzen liefern Feedback zur Melkarbeit
Eutergesundheit|11.05.2026

Zitzen liefern Feedback zur Melkarbeit

Der Zustand der Zitzen ist ein wichtiger Faktor für ein gesundes Euter.

Jutta Berger (TORO 03/26)

Der Strichkanal an der Zitzenspitze ist die wichtigste Barriere zwischen Umwelt und Euter – sein zuverlässiger Verschluss verhindert das Eindringen von Keimen. Entscheidend ist, dass er sich nach dem Melken rasch wieder schliesst, da sonst vor allem Umweltkeime leichtes Spiel haben. Studien zeigen, dass rund 10 % der Kühe veränderte Zitzenspitzen aufweisen, was das Mastitisrisiko erhöht – häufig als Folge fehlerhafter Melktechnik, etwa durch falsche Einstellung der Melkanlage oder unpassende Zitzengummis. Die regelmässige Beurteilung der Zitzen liefert deshalb wertvolles Feedback zur Eutergesundheit und zur Qualität der Melkarbeit.

Ein gesundes Euter mit gesunden Zitzen.
Bild: Swissgenetics / jbg

Feedback für Melktechnik und -arbeit

Direkt nach dem Melken gibt der Zustand der Zitzen wichtige Hinweise: Eine rosafarbene, glatte und trockene Haut ist ein positives Zeichen für korrektes Melken, gute Hygiene und eine richtige Positionierung des Melkzeugs. Veränderte Zitzen weisen hingegen auf belastendes Melken hin. Typische Warnzeichen sind:

  • gerötete, eingeblutete oder bläulich verfärbte Zitzenhaut (v. a. an der Zitzen­spitze)
  • Schnürringe oben an der Zitzenbasis
  • Quetschungen
  • feuchte Zitzenhaut
  • ausgestülpte Zitzenschleimhaut aus dem Strichkanal.

Sind mehr als 10 % der Kühe betroffen, sollte die Melkanlage dringend überprüft werden!

Nach Abnahme des Melkzeugs zeigt der Zustand der Zitzen, wie gut gemolken wurde: Eine trockene, rosa Zitzenhaut ohne Einschnürungen ist ein gutes Zeichen.
Bild: Swissgenetics / lvt

Langzeitschäden vermeiden

Anhaltende Fehlbelastungen beeinträchtigen wiederholt die Durchblutung der Zitze und schädigen vor allem die Innenauskleidung des Strichkanals. Seine Epithelzellen werden mechanisch beansprucht und verlieren ihren Zusammenhalt. In der Folge kommt es zu Reparaturprozessen des Gewebes mit Vernarbung und Verhornung der Schleimhaut. Dadurch entstehen fransige Ausstülpungen an der Zitzenspitze. Solche falschen Kräfte sind Folgen eines technischen Problems an der Melkanlage:

  • zu hohes Melkvakuum
  • defekte Pulsatoren
  • zu lange Melkzeiten – v. a. Blindmelken ohne Milchfluss
  • alte oder unelastische Zitzengummis
  • abschnürende Zitzengummis mit zu kleiner Öffnung
  • «kletternde» Zitzengummis mit zu grosser Öffnung

Schutzbarriere erstellen

Neben der technischen Vermeidung solcher Belastungen spielt auch die konsequente Pflege der Zitzen nach dem Melken eine zentrale Rolle für die Eutergesundheit. Nach dem Melken bleibt der Strichkanal für längere Zeit geöffnet und somit anfällig für das Eindringen von Keimen. Zitzendippmittel bilden eine Schutzbarriere und reduzieren die Keimbelastung auf der Haut. Wichtig ist eine vollständige Benetzung direkt nach dem Melken. Besonders bei Kälte oder vorgeschädigter Zitzenhaut ist ein hautpflegendes Produkt, wie etwa Desintec Iodide Film, sinnvoll.

Zitzengummis regelmässig wechseln

Zitzengummis sind einer hohen mechanischen Belastung und erheblichem Verschleiss ausgesetzt. Sie bewegen sich 60-mal pro Minute, was rund 300 Bewegungen pro durchschnittlichem Melkvorgang entspricht. Einschliesslich der Reinigung ergibt das eine tägliche Beanspruchung von mehreren 1000 Bewegungen. In einem voll ausgelasteten automatischen Melksystem sogar bis zu 40.000 pro Tag*. Um Funktion und Hygiene zu sichern, müssen Zitzengummis nach Empfehlung der Hersteller ersetzt werden. Als Richtwerte gelten 2500 Melkungen bei schwarzen Gummis bzw. 5000 bei Silikonvarianten. Zusätzlich ist eine monatliche Kontrolle aller Gummiteile einer Melkanlage erforderlich.

*Quelle: Landwirtschaftskammer Niedersachsen "Zitzengummis regelmässig wechseln"

Zum Schutz der Eutergesundheit sollten Zitzengummis nicht erst gewechselt werden, wenn sie verschlissen und eingerissen sind.