Zitzen liefern Feedback zur Melkarbeit
Der Zustand der Zitzen ist ein wichtiger Faktor für ein gesundes Euter.
Jutta Berger (TORO 03/26)
Der Strichkanal an der Zitzenspitze ist die wichtigste Barriere zwischen Umwelt und Euter – sein zuverlässiger Verschluss verhindert das Eindringen von Keimen. Entscheidend ist, dass er sich nach dem Melken rasch wieder schliesst, da sonst vor allem Umweltkeime leichtes Spiel haben. Studien zeigen, dass rund 10 % der Kühe veränderte Zitzenspitzen aufweisen, was das Mastitisrisiko erhöht – häufig als Folge fehlerhafter Melktechnik, etwa durch falsche Einstellung der Melkanlage oder unpassende Zitzengummis. Die regelmässige Beurteilung der Zitzen liefert deshalb wertvolles Feedback zur Eutergesundheit und zur Qualität der Melkarbeit.
Feedback für Melktechnik und -arbeit
Direkt nach dem Melken gibt der Zustand der Zitzen wichtige Hinweise: Eine rosafarbene, glatte und trockene Haut ist ein positives Zeichen für korrektes Melken, gute Hygiene und eine richtige Positionierung des Melkzeugs. Veränderte Zitzen weisen hingegen auf belastendes Melken hin. Typische Warnzeichen sind:
- gerötete, eingeblutete oder bläulich verfärbte Zitzenhaut (v. a. an der Zitzenspitze)
- Schnürringe oben an der Zitzenbasis
- Quetschungen
- feuchte Zitzenhaut
- ausgestülpte Zitzenschleimhaut aus dem Strichkanal.
Sind mehr als 10 % der Kühe betroffen, sollte die Melkanlage dringend überprüft werden!
Langzeitschäden vermeiden
Anhaltende Fehlbelastungen beeinträchtigen wiederholt die Durchblutung der Zitze und schädigen vor allem die Innenauskleidung des Strichkanals. Seine Epithelzellen werden mechanisch beansprucht und verlieren ihren Zusammenhalt. In der Folge kommt es zu Reparaturprozessen des Gewebes mit Vernarbung und Verhornung der Schleimhaut. Dadurch entstehen fransige Ausstülpungen an der Zitzenspitze. Solche falschen Kräfte sind Folgen eines technischen Problems an der Melkanlage:
- zu hohes Melkvakuum
- defekte Pulsatoren
- zu lange Melkzeiten – v. a. Blindmelken ohne Milchfluss
- alte oder unelastische Zitzengummis
- abschnürende Zitzengummis mit zu kleiner Öffnung
- «kletternde» Zitzengummis mit zu grosser Öffnung
Schutzbarriere erstellen
Neben der technischen Vermeidung solcher Belastungen spielt auch die konsequente Pflege der Zitzen nach dem Melken eine zentrale Rolle für die Eutergesundheit. Nach dem Melken bleibt der Strichkanal für längere Zeit geöffnet und somit anfällig für das Eindringen von Keimen. Zitzendippmittel bilden eine Schutzbarriere und reduzieren die Keimbelastung auf der Haut. Wichtig ist eine vollständige Benetzung direkt nach dem Melken. Besonders bei Kälte oder vorgeschädigter Zitzenhaut ist ein hautpflegendes Produkt, wie etwa Desintec Iodide Film, sinnvoll.
Zitzen-Erkrankungen – eine Übersicht
Überblick über häufige Zitzenerkrankungen bei Kühen, ihre Ursachen, Risiken fürs Euter sowie Hinweise zu Pflege, Melkhygiene und Behandlung.
Kuhsignal – Raue Zitzenhaut
Raue, trockene Zitzenhaut erhöht das Risiko für Euterinfektionen. Pflege mit hautfreundlichen Dippmitteln und Cremes kann die Elastizität verbessern.
Kuhsignal – Ringwulst an den Zitzen
Ein Ringwulst an der Zitze entsteht durch falsche Melkarbeit, zu grosse Zitzengummis oder nasse Zitzen: Melkanlage überprüfen lassen!
Kuhsignal – Insektenstiche am Euter
Mückenstiche am Euter führen zu blutigen Pünktchen und Ödemen, erhöhen das Mastitisrisiko und erfordern Schutz wie Nachtweide oder Insektizide.
