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Sonderfall in der Geburtshilfe: Hinterendlage
Geburtsablauf|21.08.2026

Sonderfall in der Geburtshilfe: Hinterendlage

Kälber, die "rückwärts" in der Kuh liegen, haben ein deutlich höheres Risiko für eine Totgeburt. Etwa 10% der Kälber werden in Hinterendlage (HEL) (mit den Hinterbeinen zuerst) geboren.

Jutta Berger, wissenschaftliche Mitarbeiterin

Hinterendlage erkennen

Ein erster Hinweis für ein Kalb in Hinterendlage sind Klauensohlen, die nach oben zeigen.

Liegt ein Kalb "rückwärts" in der Kuh zeigen die Sohlenflächen seiner Hinterklauen nach oben.

Erkennt man, dass die Unterseite der Klauen bzw. die Afterklauen des Kalbs unter der Geburt nach oben gedreht sind, muss eine Kontrolluntersuchung durchgeführt werden:

Eine Hinterendlage in oberer Stellung (Hinterbeine vorne, liegt mit dem Rücken nach oben) muss zunächst von einem Kalb in Vorderendlage (VEL) und in unterer Stellung (Kopf vorne, liegt aber auf dem Rücken) unterschieden werden.

Dazu tastet man nach dem Sprunggelenk (vs. Vorderfusswurzelgelenk) und dem Schwanz (vs. Kopf) des Kalbs.

Was macht die HEL gefährlich?

Unter der Geburt in HEL wird die Nabelschnur schon früh zu kurz und reisst. Die Sauerstoffversorgung ist dann unterbrochen, der Kopf des Kalbs aber noch in der Kuh.

Eine Geburt in Hinterlage (HEL) ist für das Kalb gefährlich. Oft reisst seine Nabelschnur oder wird abgequetscht, wenn sein Becken noch in der Mutter liegt - der Kopf aber noch tief in der Gebärmutter steckt. Dadurch gerät das Kalb sehr schnell unter Sauerstoffmangel.

Das Risiko unter der Geburt zu sterben, ist für ein solches Kalb deshalb ca. dreifach so hoch wie in Vorderendlage.

Pröbeln verboten

Für eine erfolgreiche Geburtshilfe bei Hinterendlage sind die Erfahrung und eine realistische Einschätzung der eigenen Grenzen matchentscheidend. - Wer zweifelt muss sofort in seiner Tierarztpraxis anrufen!

Ob tierärztliche Unterstützung benötigt wird, muss dabei unbedingt vor dem eigenen Eingreifen entschieden werden. Denn: Wird mit der Zughilfe begonnen, muss das Kalb rasch zur Welt geholt werden. 

Bei eigener Zughilfe

  • Kuh sicher fixieren (auch im Liegen anbinden) und für optimale Hygiene sorgen.
  • Utensilien für eine mögliche Reanimation des Kalbs bereitlegen (Wasser, Stroh, Injektionskanüle etc.).
  • Viel sauberes Gleitgel verwenden - die Geburt erfolgt "gegen den Strich" des Fells. Deshalb bremsen die Haare des Kalbs oft zusätzlich. 
  • Beide Hinterbeine oberhalb des Fesselgelenks anseilen oder Geburtsketten anlegen.
  • Gleichmässig an beiden Hinterbeinen und parallel zur Wirbelsäule der Kuh ziehen - nicht wie in VEL Richtung Euter
  • Auf Anzeichen von Sauerstoffmangel beim Kalb achten, z. B. Schwanz- oder Beinbewegungen oder Ausscheiden von Darmpech.
  • Bei Anzeichen von Sauerstoffmangel muss das Kalb sofort raus!

Nach der Geburt

  • Die Atemwege des Kalbes sofort von Schleim und Fruchtwasser befreien.
  • Kalb in stabile Brustlage lagern.
  • Erste Hilfe leisten und seine Atmung stimulieren.
Schleim und Fruchtwasser aus den Nasenlöchern des Kalbs ausstreichen.
In Brustlage können sich die Lungen des Kalbs am besten entfalten.