Die Codierung der Besamungstauglichkeit von Swissgenetics ab Juni 2019

Die Kuh hat einen wichtigen Einfluss, ob eine Besamung klappt oder nicht. Je gesünder sie ist, umso höher sind die Erfolgsaussichten. Eine gesunde Gebärmutter und eine deutliche Brunst sind dabei die wichtigsten Punkte. Es ist daher wichtig, dass Tierbesitzer und Besamer einen schriftlichen Überblick darüber haben, welche Kuh gut besamt werden konnte und welche nicht. Insbesondere wenn eine Kuh nicht tragend werden sollte, können solche Aufzeichnungen bei der Ursachenforschung und –Beseitigung helfen.

System seit Jahren

Um dem Besamungsdienst die Dokumentation der Besamungstauglichkeit im täglichen Arbeitsablauf zu erleichtern, führte Swissgenetics schon vor einigen Jahren ein einheitliches Codierungssystem ein. Jede Besamungstechnikerin und jeder Besamungstechniker nutzt das selbe System, das auf dem KB-Kleber ausgewiesen ist. So kann jede(r) auf jedem Betrieb die Informationen der Kollegin oder des Kollegen einsehen, verstehen und z.B. im Fall einer Nachbesamung nutzen.

Neue Dokumentation

Swissgenetics ändert Mitte 2019 dieses Codiersystem zur Beurteilung der Besamungstauglichkeit. Die Kuhgesundheit und die Besamungstauglichkeit wird noch spezifischer erfasst . Deine Besamungstechnikerin und Dein Besamungstechniker erheben wie gewohnt die Informationen über die gynäkologische Gesundheit der Kuh, dokumentieren sie aber in anderer, detaillierterer Form. Diese werden weiterhin auf dem Kleber in Deinem KB-Ordner ausgewiesen.

+, n oder – Was sagt das aus?

Auf dem neuen Kleber gibt es fünf Positionen, die jeweils mit einem +, einem n oder einem besetzt sein können. Diese Zeichen codieren die gynäkologische Gesundheit der zu besamenden Kuh. Jede Position ist dabei einem speziellen Merkmal zugeordnet:

Die Codierung ist wie gewohnt in der oberen rechten Ecke des Klebers aufgedruckt.

Wie liest Du die Angaben?

Die gesamte neue Codierung basiert auf wissenschaftlichen Arbeiten, die grossenteils in der Schweiz erhoben worden sind.

Die Positionen auf dem Kleber sind folgenden Punkten zugeordnet:

1 - Stellung der Scham:

Aus wissenschaftlichen Arbeiten ist bekannt, dass die Stellung der Scham mit einer mögliche Senkscheiden oder zumindest einer Tendenz dazu in Zusammenhang steht. Senkscheiden werden vererbt und Kühe mit Senkscheiden haben nachweislich mehr Fruchtbarkeitsprobleme.

+ : senkrechte Scham

Je senkrechter die Schamlippen stehen, desto unwahrscheinlicher ist es, dass diese Kuh eine Senkscheide aufweist.

n : weniger als 50 % waagrecht

Hier sind weniger als 50% der gesamten Schamlippen eingefallen bzw. waagrecht. Solche Kühe sind dennoch bereits Kandidatinnen für Senkscheiden.

– : eingefallener After

Die Schamlippen sind mehr als 50% eingefallen. Auch der After ist eingesunken. Solche Kühe haben mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Senkscheide.

2 - Menge Brunstschleim:

Die Beurteilung der Menge Brunstschleim ist ein sicheres Zeichen für eine stattfindende Brunst. Er ist ein inneres Brunstzeichen, denn unter Oestrogen wird hauptsächlich im Gebärmutterhals Brunstschleim gebildet. Je mehr Schleim, desto ausgeprägter ist die Brunst.  

+ : Viel Schleim

Der Brunstschleim ist klar und fadenziehend. Er geht spontan ab - ohne dass der Besamungstechniker die Kuh berührt.

n : mässig Schleim

Brunstschleim geht nur während der Besamung ab, wenn der Besamungstechniker Gebärmutter oder Gebärmutterhals in die Hand nimmt.

- : Kein Schleim

Es ist kein Brunstschleim sichtbar. Er kann nicht ausmassiert werden. Die Schleimhaut der Scheide glänzt höchstens etwas feucht.

3 - Spannung Gebärmutter:

Die Spannung oder auch der Tonus der Gebärmutter ist ebenfalls ein deutliches inneres Brunstzeichen, um die Brunst zu beurteilen. Weil es sich bei der Beurteilung der Spannung der Gebärmutter um ein Gefühl handelt, kann man dieses nicht gut bildlich darstellen. Die Spannung der Gebärmutter ist in der Brunst maximal. Unter Oestrogen zieht sich die Muskulatur zusammen und wird stark durchblutet. Die Gebärmutter fühlt sich hart an wie ein trainierter Bizeps.

4 - Grösse der Gebärmutter:

Die Grösse der Gebärmutter sagt viel über die gynäkologische Gesundheit der Kuh und die erfolgte Rückbildung nach der Geburt aus. Sie kann bei einer rektalen Untersuchung der Kuh gut ertastet werden. Eine gesunde Gebärmutter ist ein wichtiger Faktor für deutliche Brunstzeichen und eine grundsätzliche Voraussetzung für die Entwicklung des Embryos. Kühe mit kranker Gebärmutter rindern oft um.  

+ : Unter der Hand versammelbar

In der Brunst ist die Gebärmutter stark zusammengezogen und fühlt sie sich deshalb klein an. Bei Rindern und Kühen in der ersten und zweiten Laktation kann man sie komplett unter die Hand nehmen.

n : Auf dem Becken versammelbar

Die Gebärmutter passt nicht mehr unter die Hand. Sie ist grösser. Bei älteren Kühen kann auch eine gesunde Gebärmutter in Brunst nur auf dem Becken versammelbar sein.

- : Nicht mehr versammelbar

Über das knöcherne Becken hinaus hängt eine Gebärmutter einer Kuh, die besamt werden soll, nur selten. Kühe mit grösseren Gebärmüttern sind trächtig oder haben eine krankhafte Veränderung.

+ : Mässiger Widerstand

Die Zervix ist in der Brunst geöffnet. Ein leichter Widerstand beim Besamen ist allerdings erwünscht. Denn die in der Brunst angeschwollene Schleimhaut der Cervix bremst das Einführen des Besamungsinstruments ein wenig.

n: Kein Widerstand

Ist die Zervix sehr weit offen und der Besamer spürt keinen Widerstand im Gebärmutterhals, kann dies auf einen gestörten Verschluss oder eine Entzündung der Gebärmutter hinweisen.

- : Starker Widerstand

Eine verschlossene Zervix mit starkem Widerstand gibt es in der Brunst nicht. Diese Kuh ist unter Einfluss des Gelbkörper-Hormons Progesteron. Sie trägt oder steht in der Mitte des Zyklus zwischen zwei Brunsten.  

Die Kombination macht’s

Die Kombination der Beurteilung dieser fünf Parameter lassen gemäss diverser wissenschaftlicher Arbeiten eine solide Beurteilung der gynäkologischen Gesundheit und damit der Besamungstauglichkeit der Kuh zu. Dein Besamungstechniker/Deine Besamungstechnikerin kann diese Parameter ohne weitere Informationen an der Kuh erheben.

Kommunikation verbessert den Erfolg

Trotzdem ist es von grossem Vorteil für den Besamungserfolg, wenn Du den Technikern weitere Informationen zu Deiner Kuh gibst und sie diese in die Beurteilung der Besamungstauglichkeit Deiner Kuh einbeziehen können: