Eine kranke Gebärmutter – Endometritis

Deine Kühe „drecken“ – oder auch nicht

Ein Ausfluss ist ein offensichtliches Zeichen, dass Teile der Geschlechtsorgane einer Kuh krank sind. Seine Farbe und Konsistenz sind wichtige Hinweise, um welche Störung es sich handelt.

Doch nicht jede kranke Gebärmutter ist deutlich sichtbar.

 

 

Praxis-Tipp

Landwirt Daniel hatte immer wieder Kühe mit sichtbarem Ausfluss. Er erzählt in diesem Video, was er beobachtet.

Welche Art von Ausfluss ist normal?

Trächtigkeitsschleim

Was funktioniert bei Kühen, die «drecken», nicht?

Reizungen oder Infektionen der Gebärmutter ziehen die Zellen der Immunabwehr an. Diese wandern in die Schleimhaut ein, um Defekte zu beheben und Erreger zu eliminieren. Bei ihren Reparaturarbeiten entstehen «Kollateralschäden» an der Schleimhaut: Sie wird dicker, lagert Bindegewebe ein und produziert viel Schleim. Wenn sich Gewebe auflöst, Immunzellen und Keime absterben, entsteht Eiter

Die „Gesichter“ einer kranken Gebärmutter

In der Tiermedizin unterscheidet man je nach Ausfluss verschiedene Krankheitsbilder und Schweregrade bei Störungen der Gebärmutter. Was bei allen gleich ist: Eine Kuh mit kranker Gebärmutter wird nicht wieder trächtig…

Akute Erkrankung in der ersten Zeit: Metritis

Die akute, fiebrige Erkrankung der Gebärmutter in der ersten Zeit nach dem Abkalben. Der Ausfluss wird gräulich-rot, manchmal mit bröckeligen Anteilen und beginnt zu stinken. Die Gebärmutter ist oft verdickt und schmerzhaft. Die Kuh hat Schmerzzeichen.

Grau-rötlicher Ausfluss

Die chronischen Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut

Grad 1 - Die symptomlose subklinische Entzündung

Ob bei einer Reizung der Gebärmutter vermehrt Immunzellen aktiv sind, lässt sich nicht immer am Ausfluss erkennen. Diese unsichtbaren Erkrankungen sind «Sausiecher», denn diese Kühe werden hartnäckig nicht tragend – und oft bleibt nur der Verdacht darauf, denn eine sichere Diagnose ist (zur Zeit noch) schwierig.

Klarer Schle

Wiederkehrende Brunst

Unauffälliges Organ

Leicht verdickte Schleimhaut

Grad 2 - Die chronische Entzündung mit trübem Ausfluss während der Brunst

Oft mischt sich Brunstschleim mit den Entzündungssekreten. Er wird dadurch rauchig-trüb. In der Regel versäubert sich die Kuh von Brunst zu Brunst besser. Die Selbstheilungsrate ist relativ hoch, braucht aber einige Zyklen – also Zeit. 

Flocken im Brunstschleim

Laufender Zyklus

Organ oft leicht vergrössert

Bedingt besamungstauglich

Grad 3 - Die chronische Entzündung mit eitrigem Ausfluss und gestörtem Zyklus

Oft enden eine massive Keimbesiedlung oder eine schlechte Versäuberung in den ersten Wochen der Laktation genau hier. Bei starken Schäden der Schleimhaut blockiert ausserdem der Zyklus.

Eitriger Ausfluss (Tier liegend)

Verdickter Muttermund

Vergrössertes Organ

Flüssigkeit in der Gebärmutter

Grad 4 – Pyometra - Der Eiterstau mit blockiertem Zyklus (Pyometra)

Bei schweren Schäden an der Gebärmutterschleimhaut, kann diese kein Prostaglandin mehr bilden. Der Zyklus der Kuh blockiert, ihr Muttermund bleibt zu. Entzündungssekrete sammeln sich deshalb im Innern des Organs und können nicht abfliessen. Manchmal sind das mehrere Liter eitrige Flüssigkeit. 

Kein Ausfluss

Blockierter Zyklus

Grosse Mengen Eiter

Verschlossener Muttermund

Welche Faktoren begünstigen eine kranke Gebärmutter?

Die geöffneten Geschlechtsorgane werden nach der Geburt in den meisten Fällen durch unterschiedliche Keime besiedelt. Besonders viele Mikroorganismen sind es, wenn die Kuh in einem hohen Keimdruck abkalbte oder die Geburt unter erschwerten Bedingungen ablief. Häufig ist auch eine Nachgeburt, die nicht vollständig abging und anschliessend in der Gebärmutter vergammelte, eine Infektionsquelle. 

Geburt im Dreck

Zu grosses Kalb

Falsche Geburtshilfe

Operative Geburtshilfe

Vorausgegangene Totgeburt

Geburtsverletzung

Bei einer geschwächten Kuh schaffen es ihre Abwehrmechanismen nicht, die Gebärmutter zurückzubilden und die Keime zu beseitigen. Dazu müssen die Muskulatur der Gebärmutter und die Immunabwehr nämlich voll funktionstüchtig sein.

In jeder Brunst zieht sich die Gebärmuttermuskulatur zusammen und der Muttermund öffnet sich. Kühe, deren Zyklus nach der Geburt nicht anläuft, können sich daher schlechter versäubern.

Auch Verschmutzungen oder Reizungen der Gebärmutter können die Immunantwort aktivieren und zu einem eitrigen Ausfluss führen. Sobald das Organ Nährschleim für einen potenziellen Embryo produziert, bietet es auch Keimen optimale Lebensbedingungen. Das ist übrigens auch bei Rindern möglich!

Falsche Besamung

Spezifische Infektionen

Manche Fehler in der Fütterung ändern das Milieu der Gebärmutter – oft sinkt dabei der pH-Wert im Inneren des Organs. Das kann die Schleimhaut so stark reizen, dass eitriger Ausfluss entsteht. 

Spurenelementmangel

Nitratbelastung des Wassers

Wie erkennt man, dass Kühe eine kranke Gebärmutter haben?

Ausfluss in der Brunst

Der Inhalt einer kranken Gebärmutter ist nur zusehen, wenn sich der Muttermund öffnet. In der Brunst zieht sich die Muskulatur der Gebärmutter zusammen und drückt den Schleim zusätzlich nach aussen. Daher erkennt man Ausfluss besonders gut, sobald die Kuh in Brunst kommt.

Ausfluss am liegenden Tier

An einem liegenden Tier sieht man Ausfluss immer besser als an der stehenden Kuh. Die Bachorgane drücken dann auf die Gebärmutter.

Ausmassieren von Schleim

Bei der rektalen Untersuchung gelingt es manchmal Schleim auszumassieren, in dem man die Gebärmutterhörner vom Beckenboden anhebt und leicht drückt. 

Dünnwandige Gebärmutter

Die Gebärmutter wird umso dünnwandiger je mehr Flüssigkeit darin ist. Dies dünne Wand und die Flüssigkeit lassen sich bei einer rektalen Untersuchung der Kuh ertasten, wobei Ungeübte das kranke Organ auch mit einer Trächtigkeit verwechseln können.

Dickwandige Gebärmutter

Lagert sich viel Bindegewebe in der entzündeten Gebärmutterwand ein, fühlt sich das kranke Organ auch manchmal derber und teigiger an als eine gesunde Gebärmutter.

Vergrössertes Organ

Eine kranke Gebärmutter ist meist nicht gut zurückgebildet und daher vergrössert. Sie ist oft «nicht mehr unter der Hand versammelbar». Auch der Gebärmutterhals (Cervix) und der Muttermund sind oft auffallend dick.

Vergrösserter Innenraum

Der Hohlraum (Lumen) in der Gebärmutter ist bei einer Entzündung im Ultraschallbild oft vergrössert. 

Flüssigkeit im Ultraschall

Mit einem Ultraschallgerät lässt sich eine Flüssigkeitsansammlung oder Eiter gut darstellen - und von einer tragenden Gebärmutter eindeutig unterscheiden. Geringe Mengen sieht man lediglich als weisse Linie im Inneren der Gebärmutter.

Verdickte Wand im Ultraschall

Auch die Einlagerung von Bindegewebe in der Gebärmutterwand lässt sich für geübte Untersuchende anhand der Veränderung der Graustufen (Echotextur) im Ultraschallbild erkennen.

Vaginale Untersuchung

Ziel einer vaginalen Untersuchung ist, zu erkennen woher der Ausfluss, in welcher Konsistenz und in welcher Menge, stammt. Ist sein Ursprung in der Gebärmutter, sieht man, dass er aus dem Muttermund herausfliesst. 

Zytologische Untersuchung

Zurzeit laufen verschiedene Forschungsarbeiten, wie sich eine subklinische Gebärmutterentzündung durch die Untersuchung der Zellen in der Schleimhaut sicherer diagnostizieren lässt.

Metricheck

Mit Hilfe dieses Instruments lässt sich Schleim aus dem inneren Bereich der Scheide gewinnen und beurteilen. Man erkennt aber nicht, wo dieser Schleim produziert wird bzw. welcher Teil des Geschlechtsapparats tatsächlich erkrankt ist.

Warnsignale für eine kranke Gebärmutter

Diese Zeichen können auf eine kranke Gebärmutter hinweisen:

Erkennbarer Ausfluss

Grau-roter, stinkender Ausfluss nach der Geburt

 

Rauchiger Brunstschleim

 

Eitriger Ausfluss


Schmerzen im Becken nach der Geburt


Schmerzgesicht

 

Schwanz-Schlagen

 

Abgehaltener Schwanz

 

Aufgekrümmter Rücken


Innere Anzeichen


Asymmetrische Gebärmutterhörner

 

Verdickte Zervix und grosser Muttermund

 

Brunst


Undeutliche Brunst

 

Blockierter Zyklus

 

Hartnäckiges  Umrindern

Andere Kühe mit Ausfluss (Differentialdiagnosen)

Reizungen der Scheide: Vaginitis

Entzündungen können nur die Scheidenschleimhaut betreffen, ohne dass die Gebärmutter mitbetroffen ist. Das kommt vor, nach

  • Senkscheiden
  • Vaginalen Behandlungen (z.B. mit Progesteron-Präparaten)
  • Vaginalen Untersuchungen
  • Natursprung

Solange nur die Scheide entzündet ist, sind solche Kühe «bedingt besamungstauglich» und können mit einer speziellen Überzugshülle besamt werden. 

Rauchiger Schleim bei Zysten

Wenn östrogenbildende Eierstockszysten immer wieder für Dauerbrunstsymptome sorgen, kann es zu einer Trübung des abfliessenden Brunstschleims kommen. Rauchiger, eher zähflüssiger Brunstschleim kann daher auch auf Zysten hinweisen. Typisch sind dabei auch eine deutlich geschwollene Vulva.

Ziele bei Kühen mit kranker Gebärmutter

Nach Ausheilung der Erkrankung und Regeneration der Gebärmutterschleimhaut ist eine erneute Trächtigkeit der Kuh möglich. Durch tierärztlichen Untersuchung wird die richtige Entscheidung getroffen, welche Methode zur Behandlung sich eignet.

Bei Fieber

Akut an einer Metritis erkrankte Kühe nach dem Kalben brauchen schnell tierärztliche Hilfe: Sie bekommen meist eine passende Antibiose und Schmerzmittel. So verbessert sich ihr Allgemeinbefinden schnell.

Deutliche Brunst

Die Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur und der geöffnete Muttermund in der Brunst entleeren das Organ. Die desinfizierende Wirkung des Brunstschleims reinigt sein Inneres. Solange der Zyklus läuft, ist die Selbstheilungsrate hoch.

Brunstinduktion

Bei blockiertem Zyklus macht es Sinn, ihn tierärztlich anschieben und die Brunst durch Medikamente auslösen zu lassen.

«Spülung» der Gebärmutter

Das Einspritzen antibiotischer oder desinfizierender «Spülungen» wird von der Wissenschaft zunehmend kritisch gesehen, da diese Medikamente die Schleimhaut zusätzlich reizen. 

Praxis-Tipp: Viele Kühe im Bestand, die drecken – was tun?

Da Erkrankungen der Gebärmutter oft langwierig sind und eben nicht immer sofort auffallen, muss das Augenmerk unbedingt auf der Prophylaxe liegen. Nur so lassen sich wirtschaftliche Schäden durch ein Bestandsproblem vermeiden.

  • regelmässig BCS bestimmen, um fette Galttiere zu vermeiden
  • Galtkühe im Stall von den Laktierenden separieren – auch in Anbindehaltung
  • Kuhkomfort im Galt-Abteil optimieren
  • Galtfütterung mit schmackhaften, qualitativ-guten aber energiearmen Futtermitteln (ca. 5 MJ/NEL)
  • Transitkühe vor dexm Abkalben mit der Ration der Laktierenden anfüttern. Insbesonders fette Kühe!
  • Wasserversorgung prüfen. Verschmutzte Tränken säubern. Wasserqualität evt. über Labor-Analysen überprüfen.
  • tägliche Versorgung mit Viehsalz und Ca-armem Mineralfutter, für die Spurenelement-Versorgung entsprechende Boli einsetzen.
  • Adäquate Milchfieber-Prophylaxe (kalziumarme Trockensteher-Fütterung, Vit.D3-Gabe ca. eine Woche vor dem Kalbetermin, Kalziumgabe vor/während/nach dem Abkalben in Form von Boli)
  • zurückhaltende abwartende Geburtshilfe
  • hygienische Geburtsumgebung, z.B. in einer sauberen, frischeingestreuten Abkalbebox
  • Engmaschige Tierkontrolle frischgekalbter Kühe
  • Stoffwechselsituation der frischlaktierenden Kühe regelmässig testen (Acetontest)
  • Über Fett- und Eiweissgehalt der Milch die Energieversorgung Deiner Kühe kontinuierlich überwachen