Ablösung der Eihäute

In den letzten Tagen der Trächtigkeit beginnen die Eihäute des Kalbs ihre Verbindung zur Gebärmutter-Schleimhaut zu lockern und sich dort abzulösen. Das ist wichtig, damit die Nachgeburt später abgehen kann und die Kuh nicht krank wird (Nachgeburtsverhalten).

Stoffaustausch auf 130m²

Über die Kontaktflächen zwischen Eihäuten und Gebärmutter-Schleimhaut läuft der Stoffaustausch zwischen mütterlichem Blutkreislauf und fetalem Blut. So wird das Kalb versorgt. Es erhält Sauerstoff und Nährstoffe von der Mutter und gibt vor allem CO2 wieder zurück. Die verzahnte Struktur dieser Kontaktstellen bietet dafür eine grosse Oberfläche. Würde man die Zotten aller Eihaut-Rosen bei einer reifen Nachgeburt ausfalten, hätten sie eine Fläche von 130m².

Besondere Eihäute bei Kühen

„Placenta multiplex“

Die Plazenta von Rindern bildet „Rosen“ (Plazentome) an der äusseren Eihaut. Sie sind mit den knopfartigen „Karunkeln“, auf der Gebärmutterseite fest verbunden.

Viele Rosen

Zum Ende der Trächtigkeit sind an einer Nachgeburt zwischen 75 und 120 bis zu faustgrosse Rosen ausgebildet. Je näher beim Fötus, umso grösser und dichter beieinander sind sie.

Blutgefässe zum Nabel

Aus den Rosen verlaufen Blutgefässe. Sie zweigen ineinander und sammeln sich als Nabelgefässe, über die der Fötus versorgt wird.

Feste Verzahnung

Die Verbindung von Eihaut-Rosen und Gebärmutter-Schleimhaut in den Karunkeln ist wie in einem Klettverschluss fest verzahnt. Vor der Geburt müssen sie sich dort ablösen.

Wissenschaftlich gesehen

Eine gute, wissenschaftliche Darstellung der Plazenta-Bildung von Rindern bietet die Internet-Seite zur  Veterinärembryologie der Vetsuisse-Fakultät Bern.

Die Leber regelt die Ablösung

Über eine Hormonkaskade an der Cortison und Östrogen beteiligt sind, löst das Kalb seine Geburt aus. Jetzt beginnen sich die festverzahnten Zotten der Eihaut und der Gebärmutter zu lockern.

Dazu baut sich das Bindegewebe um. Auch chemisch löst sich die Verzahnung: Enzyme bauen die Eiweisse ab, die die Zotten ineinander verkleben. Nur wenn dieser Umbau abgeschlossen ist, kann die Nachgeburt abgehen. Auch das Immunsystem und die organeigene Krankheitsabwehr der Gebärmutter sind an der Ablösung beteiligt.

Die Leber, die diese Systeme regelt, muss gesund sein!

Die Wehen lockern mechanisch

Später unter der Geburt pressen die Wehen die Rosen immer wieder stark gegen das Kalb.

Dadurch flachen sie ab, das Blut wird aus ihnen herausgequetscht. In den Wehenpause läuft das Blut wieder zurück, Rosen und Karunkeln füllen sich wieder. Durch das Ein- und Ausfliessen des Bluts lockert sich die Verbindung von Rosen und Karunkeln mechanisch.

Ist das Kalb auf der Welt, entleeren sich die Blutgefässe der Eihäute, sobald die Nabelschnur reisst. Die Oberfläche der Eihautzotten verkleinert sich. So lösen sie sich nun vollständig von der Gebärmutterschleimhaut ab.

Starke Nachwehen pressen die Fruchthüllen innerhalb der nächsten Stunden aus dem Gebärmutterinneren aus.

Abschlecken zieht Gebärmutter zusammen

Das Hormon Oxytocin verstärkt die Muskelarbeit der Gebärmutter in den Nachwehen und hilft daher beim Nachgeburtsabgang. Das Gehirn der Kuh schüttet es aus, wenn sie ihr Kalb trocken leckt und wenn Biestmilch abgemolken wird.

Beides wirkt sich also positiv auf die Nachgeburtsphase aus.