Das Milchfett und die Pansengesundheit

Milchfett und Bedingungen im Pansen

Das Milchfett wird im Euter aus Essigsäure synthetisiert. Diese entsteht im Pansen, wenn essigsäurebildende Pansenbakterien Rohfaser (Cellulose) verdauen. Das Milchfett spiegelt also die Menge an Essigsäure wider, die im Pansen entsteht und dort von den Pansenzotten absorbiert wird. Wichtigster Faktor für die essigsäurebildenden Bakterien ist ein stabiler Pansen-pH.

Milchfett und Brunsthormon

Essigsäure ist auch ein wichtiger Baustein der sogenannten Steroidhormone Östrogen und Progesteron. 

Freie Fettsäuren im Pansen

Ausser der Essigsäure entstehen im Pansen noch andere „freie Fettsäuren“: Stärke und Zucker werdenvon Propionsäurebildnern zu Propionsäure abgebaut. Diese Fettsäuren sind die Energieträger, die Deine Kuh verstoffwechseln kann.

Saures Milieu

Durch die entstehenden Fettsäuren sinkt der pH-Wert im Pansen – er wird sauer.

Pansenpufferung

Die Produktion und das Abschlucken von Speichel puffern das saure Milieu. Der Pansen-pH bleibt im neutralen Bereich. Die essigsäurebildenden Bakterien haben optimale Lebensbedingungen.

Schlechte Lebensbedingungen

Käut Deine Kuh zu wenig wieder oder hat Deine Ration zu wenig Struktur, schafft sie es nicht, den pH-Wert ihres Pansens abzupuffern. Er übersäuert. Die Pansenmikroben und speziell die rohfaserverdauenden Essigsäurebildner sterben vermehrt ab. Die entstehende Menge Essigsäure sinkt. 

Tiefer Fettgehalt

Tiefe Fettgehalte (< 3.60 %) weisen auf eine ungenügende Essigsäureproduktion im Pansen hin – meist wegen Übersäuerung. 

Ursachen tiefes Fett

Ein tiefer Fettgehalt hängt eng zusammen mit

  • ungenügender Struktur (Sperrigkeit und Länge des Futters) der Ration
  • einer hohen Energiedichte oder
  • einem nicht-wiederkäuergerechten Fütterungsregime

Die Kuh käut dadurch weniger wieder, produziert nicht ausreichend Speichel, das natürliche Pansen-Puffersystem entgleist.  

Tiefes Fett, was tun ? – Praxis-Tipp

  • Überprüfe das Wiederkauverhalten Deiner Kühe, sie sollten mit mindestens 56 Kauschlägen pro Bissen wiederkäuen.
  • Überprüfe die Pansengeräusche Deiner Kühe mit dem Stethoskop.
  • Wasche den Kot Deiner höchstleistenden Kühe aus und überprüfe den Verdauungsgrad.
  • Überwache Deine Startphasekühe regelmässig (wöchentlich) mit einem Ketosetest. 
  • Prüfe den Ablauf Deiner Fütterung und setze verzehrsfördernde Massnahmen um. 

Folgen der Pansenübersäuerung

  • Klauenprobleme:Klauengeschwüre, Klauenrehe, Mortellaro etc.
  • Fruchtbarkeitsstörungen: Stille Brunst, Stille Zysten, Embryonaler Frühtod
  • Stoffwechselstörung (Ketose)
  • Leberschädigung und damit Infektionsanfälligkeit (nachfolgend Euterentzündungen, Gebärmutterentzündungen)
  • Sekundärer Spurenelementmangel (z.B. Selen – nachfolgend Nachgeburtsverhalten, Endometritis, Geburtsprobleme, lebensschwache Kälber)  

Hohe Fettgehalte

Je nach Laktationsstadium hat ein hoher Fettgehalt verschiedene Ursachen.

Hohe Fettgehalte zu Laktationsbeginn

Hohe Fettgehalte (> 5.00 %) bei Deinen Startphasenkühen sind ein Zeichen für eine ungenügende Energieversorung.

Fettmobilisation

Hohe Fettgehalte in der Mich zeigen in der Startphase, dass die Kuh Körperfett mobilisiert. Ein Teil der mobilisierten Fettreserven geht über die Milch als Milchfett verloren. Typisch für diese Kühe ist ein gleichzeitig niedriger Eiweissgehalt und somit ein weites Fett:Eiweiss-Verhältnis.

Folgen der Fettmobilisation

  • Zunächst subklinische Ketose, später klinisch offensichtlich
  • Schlechte Futteraufnahme
  • Fruchtbarkeitsstörungen (Azyklie, Zysten, Umrindern)  

Hohes Fett zu Laktationsbeginn, was tun ? Praxis-Tipp

  • Ketose-Test einmal pro Woche
  • Die Ration mit dem Futterplan überprüfen und allenfalls der Milchleistung anpassen.
  • Das Fütterungsmanagement überprüfen und verzehrsfördernde Massnahmen umsetzen.

Hohe Fettgehalte am Laktationsende

Hohe Fettgehalte (> 5.00 %) gegen Ende der Laktation können ein Hinweis auf eine zu nährstoffreiche Fütterung sein. Die überschüssige Energie wird als Körperfett eingelagert. Die Kuh verfettet. Achtung: Manche (besonders „scharfe“) Kühe lagern zuerst Fettdepots in den Körperhöhlen ein, bevor es als Unterhautfettgewebe von aussen sichtbar wird.

Folgen der Fettreserven

Die Folgen der Fetteinlagerung werden in der Folgelaktation sichtbar:

  • Geburtsprobleme
  • Begrenzte Futteraufnahme in der Startphase  
  • Stoffwechselerkrankungen (Festliegen, Ketose)
  • Fruchtbarkeitsstörungen (Azyklie, Stille Brunst, Zysten)  

Hohes Fett am Laktationsende, was tun ? – Praxis-Tipp

  • Überwache die Körperkondition Deiner Kühe regelmässig mit BCS (Body Condition Score), denn die Fettreserven werden schleichend angelegt und fallen Dir sonst zu spät auf.
  • Reduziere die Ergänzungsfütterung (Kraftfutter) rechtzeitig.
  • Senke die Nährstoffdichte der Ration, reduziere energie- und proteinreiche Grundfuttermittel ( z.B. Futterrüben; Maissilagen, Grassilagen, Emd ...)
  • Verdünne die Ration mit mittlerem Heu
  • Vergleiche die Ration bezüglich Ausgeglichenheit und Leistungsniveau mit Deinem Futterplan.
  • Achtung: Es ist zu spät, verfettete Galtkühe abzuspecken ! Stoffwechselprobleme schon vor dem Abkalben und Fruchtbarkeitsstörungen in der nächsten Laktation sind vorprogrammiert. Die Galtration muss den Bedürfnissen der Galtkühe angepasst ist. Fette Kühe müssen zudem besonders gut angefüttert werden.